Münchener Oktoberfest und Trachten-Hochzeiten

Veröffentlicht am: Freitag, 1. Oktober 2010 von Redaktion in: Allgemein, heiraten

Münchener Oktoberfest und Trachten-Hochzeiten – Wie kam das zusammen? – Das Fichtelgebirgsmuseum klärt auf

„Trachtenhochzeit“ auf dem Oktoberfest

© Fichtelgebirgsmuseum Gustav Kraus, Festzug der 35 Brautpaare, Ausschnitt, 1842

Von Dr. Robert Grötschel und Dorothea F. Voigtländer

Wieso kamen das Oktoberfest Nummero II und die Hochzeitszüge zusammen? War da etwa Politik im Spiel? Wieso und warum? Die Verantwortlichen im Fichtelgebirgsmuseum geben alle Antworten auf diese Fragen, Amüsantes und Interessantes.

Also: Am 16. Oktober jährt sich die Hochzeit eines Paars aus dem Fichtelgebirge auf dem Oktoberfest 1842. Aber das war noch nicht alles!

Vor 200 Jahren lud der erste bayerische König sein Volk zur Hochzeit seines Sohnes Ludwig zu einem Fest nach München ein – damit entstand das Oktoberfest. In diesem Jahr waren aber auch die „Preußen“ aus dem Sechsämterland bayerisch geworden (und 1816 die „Österreicher“ aus Marktredwitz). Weil die Regierung hoffte, die Alt- und Neubayern würden sich so leichter mit Bayern identifizieren, wiederholte sie das Oktoberfest jährlich.

1842 schließlich lud König Ludwig I. ganz gezielt 35 heiratswillige Paare auf das Oktoberfest ein, denn diesmal heiratete sein Sohn, Kronprinz Maximilian, Maria, eine Prinzessin von Preußen. Also suchte auch das Landgericht Wunsiedel nach Heiratswilligen.

Das brachte aber Probleme mit sich, denn unter anderem sollten die Paare „einfach“ sein, doch dann hätten sie sich keine Fahrt nach München leisten können. Also mussten die Ämter die Paare finanziell unterstützen. In Wunsiedel fiel die Wahl des Paares auf Johann Nicolaus Küspert, einen angehenden Bauern aus Reichenbach und Margaretha Barbara Nürnberger, eine Landwirts- und Hammergutsmitbesitzerstochter aus Tröstau.

Der Wunsch des Königs brachte aber noch ein zweites Problem mit sich: Die Paare sollten eine für die Region typische Tracht tragen – die gab es aber im Fichtelgebirge nicht mehr. So kreierte man „Kostüme“ aus tatsächlich traditionellen Kleidungsstücken und modischen Zutaten.

Die Männer der Brautgesellschaft trugen altertümliche zweispitzige Hüte. Sonst trugen die Bauern aber die gleiche Kleidung, wie sie für Bürger und Städter seit der Jahrhundertwende Mode war: Schwarze Halsbinde, schwarze Kniehosen mit weißen Strümpfen, blaue bis schwarze Gehröcke und kurze, farbige Westen. Die Braut trug ein altertümliches  geschnürtes Mieder. Das Leibchen aus rot-grün gemustertem Stoff mit langen Ärmeln entsprach dem seit 1820 modischen Spencer, der schwarze oder dunkelgrüne Rock mit darüber getragener dunkelblauer Schürze und  roten Bändern hingegen entsprach der regionalen Mode, wie sie bis ins sächsische Vogtland getragen wurde. Auf dem Kopf trug die Braut ein goldglänzendes Krönlein oder eine Kamm.

Am 16. Oktober 1842 heirateten alle 35 Paare in München und eröffneten dann den Festzug zur Theresienwiese. Dort durften sie dem Königszelt mit dem hohen Brautpaar gegenüber Platz nehmen und den Umzug und das Pferderennen genießen.

Der Zug der 35 Brautpaare mit ihren Trauzeugen, Eltern und Gemeindeabordnungen war ein farbenprächtiges Ereignis. Der Zeichner Gustav Kraus (1804-1852) hielt ihn fest und veröffentlichte drei große Lithographien, die großen Absatz fanden. Das hier abgedruckte Bild zeigt nur einen Ausschnitt, die Brautgesellschaft aus dem Landgericht Wunsiedel.

Vor- und Abbild sind in der Sonderaustellung „Eine Geschichte mit Liebe. Hochzeit 1810 – 2010“ im Fichtelgebirgsmuseum zu sehen.

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