Kindergedichte zur Silberhochzeit

Von einem Enkelkind zu sprechen

Ich bin klein, mein Wunsch ist klein:

Das Silberpaar soll glücklich sein.

Was wir heut mit Silber kränzen,

möge einst im Golde glänzen!

(Volksgut)

********************

Ein Kranz aus Goldpapier,

Urgroßmuttchen, schenk ich dir.

Und die goldne Tüte da

ist für den Urgroßpapa.

Mach sie auf und guck hinein.

Was mag wohl darinnen sein?

Tabak ist´s zum Rauchen,

für deine Pfeif zum Schmauchen.

Kannst du den gebrauchen?

********************

Meinen Eltern bringe ich heute silbern meine Wünsche dar.

Ach, wie siehts in eurem Haus heute doch so festlich aus!

Fünfundzwanzig lange Jahre seid ihr nun schon treu vereint.

Daß euch stets die Sonne scheint, so wie sie´s bisher getan,

daß in eurem fern´ren Leben niemals mög es Wolken geben,

diesen Wunsch nehmt von mir an!

(Bettina Ulrici)

Gedicht zur silbernen Hochzeit

Was Irdischem gehört,

wird durch die Zeit zerstört;

was Edlem sich geweiht,

verschönt, verklärt die Zeit.

So vor fünfundzwanzig Jahren

standet ihr am Traualtar,

und der Zukunft Tage waren

euch und anderen noch nicht klar.

Aber heut im Freundeskreise

schaut ihr zurück auf eure Reise,

für das Ziel, das nicht mehr Schein,

stehen Kind und Enkel ein.

Der Lieb Melodienschatz,

er wechselt wie im Fluge,

die Ehe bleibt im gleichen Satz,

ihr wird die Zeit nur Fuge.

Franz Grillparzer