Gedichte

Als sie sich 8 Jahre kannten
(man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten Stock und Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse als ob nichts sei.
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. -
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

( Erich Kästner )

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Liebeslied

Wie soll ich meine Seele halten,
daß sie nicht an deine rührt?
Wie soll ich sie hinheben
über dich
zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie
bei irgendwas Verlorenem
im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle,
die nicht weiterschwingt,
wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles,
was uns anrührt,
dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
Oh – süßes Lied …

(Rainer Maria Rilke)

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GLEICH UND GLEICH
Ein Blumenglöckchen
Vom Boden hervor
War früh gesprosset
In lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen
Und naschte fein -
Die müssen wohl beide
Für einander sein.

(Johann Wolfgang von Goethe)


Goethe – Zur Hochzeit

Auch allen künftigen Stunden,
nicht heut dem Tag allein,
soll dieser Segensspruch
von uns geweihet sein.
Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des echten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
durch Streit und Zwietracht werde
nie euer Bund gestört.

( Johann Wolfgang von Goethe )

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Nun dappelt’s und rappelt’s und klappert’s im Saal
Von Bänken und Stühlen und Tischen,
da will nun jeder am festlichen Mahl
sich neben dem Liebchen erfrischen;
sie tragen die Würste, die Schinken so klein
und Braten und Fisch und Geflügel herein;
es kreist beständig der köstliche Wein.
Das toset und koset so lange,
verschwindet zuletzt mit Gesange. –

Und sollen wir singen, was weiter geschehn,
so schweige das Toben und Tosen!
Denn was er, so artig, im kleinen gesehn,
erfuhr er, genoß er im großen.
Trompeten und klingender, singender Schall,
und Wagen und Reiter und bräutlicher Schwall,
sie kommen und zeigen und neigen sich all,
unzählige, selige Leute.
So ging es und geht es noch heute.

( Johann Wolfgang von Goethe )

Hochzeitsgedichte

Der Mond ging unter – jetzt ist’s Zeit. -
Der Bräut’gam steigt vom Roß,
Er hat so lange schon gefreit -
Da tut sich auf das Schloß,
Und in der Halle sitzt die Braut
Auf diamantnem Sitz,
Von ihrem Schmuck tut’s durch den Bau
Ein’n langen roten Blitz. -
Blass’ Knaben warten schweigend auf,
Still’ Gäste stehn herum,
Da richt’t die Braut sich langsam auf,
So hoch und bleich und stumm.
Sie schlägt zurück ihr Goldgewand,
Da schauert ihn vor Lust,
Sie langt mit kalter, weißer Hand
Das Herz ihm aus der Brust.

( Joseph von Eichendorff )

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Durch des Meeresschlosses Hallen
Auf bespültem Felsenhang,
Weht der Hörner festlich Schallen;
Froher Hochzeitgäste Drang,
Bei der Kerzen Zauberglanze,
Wogt im buntverschlungnen Tanze.
 
Aber an des Fensters Bogen,
Ferne von der lauten Pracht,
Schaut der Bräut’gam in die Wogen
Draußen in der finstern Nacht,
Und die trunknen Blicke schreiten
Furchtlos durch die öden Weiten.
 
“Lieblich”, sprach der wilde Ritter
Zu der zarten, schönen Braut,
“Lieblich girrt die sanfte Zither -
Sturm ist meiner Seele Laut,
Und der Wogen dumpfes Brausen
Hebt das Herz in kühnem Grausen.
 
Ich kann hier nicht müßig lauern,
Treiben auf dem flachen Sand,
Dieser Kreis von Felsenmauern
Hält mein Leben nicht umspannt;
Schönre Länder blühen ferne,
Das verkünden mir die Sterne.
 
Du mußt glauben, du mußt wagen,
Und, den Argonauten gleich,
Wird die Woge fromm dich tragen
In das wunderbare Reich;
Mutig streitend mit den Winden,
Muß ich meine Heimat finden!
 
Siebst du, heißer Sehnsucht Flügel,
Weiße Segel dort gespannt?
Hörst du tief die feuchten Hügel
Schlagen an die Felsenwand?
Das ist Sang zum Hochzeitsreigen -
Willst du mit mir niedersteigen?
 
Kannst du rechte Liebe fassen,
Nun so frage, zaudre nicht!
Schloß und Garten mußt du lassen
Und der Eltern Angesicht -
Auf der Flut mit mir alleine,
Da erst, Liebchen, bist du meine!”
 
Schweigend sieht ihn an die milde
Braut mit schauerlicher Lust,
Sinkt dem kühnen Ritterbilde
Trunken an die stolze Brust:
“Dir hab ich mein Los ergeben,
Schalte nun mit meinem Leben.”
 
Und er trägt die süße Beute
Jubelnd aus dem Schloß aufs Schiff,
Drunten harren seine Leute,
Stoßen froh vom Felsenriff;
Und die Hörner leis verhallen,
Einsam rings die Wogen schallen.
 
Wie die Sterne matter blinken
In die morgenrote Flut,
Sieht sie fern die Berge sinken,
Flammend steigt die hehre Glut,
Überm Spiegel trunkner Wellen
Rauschender die Segel schwellen.
 
Monde steigen und sich neigen,
Lieblich weht schon fremde Luft,
Da sehn sie ein Eiland steigen
Feenhaft aus blauem Duft,
Wie ein farb’ger Blumenstreifen -
Meerwärts fremde Vögel schweifen.
 
Alle faßt ein freud’ges Beben -
Aber dunkler rauscht das Meer,
Schwarze Wetter schwer sich heben,
Stille wird es ringsumher,
Und nur freudiger und treuer
Steht der Ritter an dem Steuer.
 
Und nun flattern wilde Blitze,
Sturm rast um den Felsenriff,
Und von grimmer Wogen Spitze
Stürzt geborsten sich das Schiff.
Schwankend auf des Mastes Splitter,
Schlingt die Braut sich um den Ritter.
 
Und die Müde in den Armen,
Springt er abwärts, sinkt und ringt,
Hält den Leib, den blühend warmen,
Bis er alle Wogen zwingt,
Und am Blumenstrand gerettet,
Auf das Gras sein Liebstes bettet.
 
“Wache auf, wach auf, du Schöne!
Liebesheimat ringsum lacht,
Zaubrisch ringen Duft und Töne,
Wunderbarer Blumen Pracht
Funkelt rings im Morgengolde -
Schau um dich! wach auf, du Holde!”
 
Aber frei von Lust und Kummer
Ruht die liebliche Gestalt,
Lächelnd noch im längsten Schlummer,
Und das Herz ist still und kalt,
Still der Himmel, still im Meere,
Schimmernd rings des Taues Zähre.
 
Und er sinkt zu ihr vor Schmerzen,
Einsam in dem fremden Tal,
Tränen aus dem wilden Herzen
Brechen da zum erstenmal,
Und vor diesem Todesbilde
Wird die ganze Seele milde.
 
Von der langen Täuschung trennt er
Schauernd sich – der Stolz entweicht,
Andre Heimat nun erkennt er,
Die kein Segel hier erreicht,
Und an echten Schmerzen ranken
Himmelwärts sich die Gedanken.
 
Scharrt die Tote ein in Stille,
Pflanzt ein Kreuz hoch auf ihr Grab,
Wirft von sich die seidne Hülle,
Leget Schwert und Mantel ab,
Kleidet sich in rauhe Felle,
Haut in Fels sich die Kapelle.
 
Überm Rauschen dunkler Wogen
In der wilden Einsamkeit,
Hausend auf dem Felsenbogen,
Ringt er fromm mit seinem Leid,
Hat, da manches Jahr entschwunden,
Heimat, Braut und Ruh gefunden. -
 
Viele Schiffe drunten gehen
An dem schönen Inselland,
Sehen hoch das Kreuz noch stehen,
Warnend von der Felsenwand;
Und des strengen Büßers Kunde
Gehet fromm von Mund zu Munde.

( Joseph von Eichendorff )

Gedicht zur Hochzeit

Nun dappelt’s und rappelt’s und klappert’s im Saal
Von Bänken und Stühlen und Tischen,
da will nun jeder am festlichen Mahl
sich neben dem Liebchen erfrischen;
sie tragen die Würste, die Schinken so klein
und Braten und Fisch und Geflügel herein;
es kreist beständig der köstliche Wein.
Das toset und koset so lange,
verschwindet zuletzt mit Gesange. –

Und sollen wir singen, was weiter geschehn,
so schweige das Toben und Tosen!
Denn was er, so artig, im kleinen gesehn,
erfuhr er, genoß er im großen.
Trompeten und klingender, singender Schall,
und Wagen und Reiter und bräutlicher Schwall,
sie kommen und zeigen und neigen sich all,
unzählige, selige Leute.
So ging es und geht es noch heute.

( Johann Wolfgang von Goethe )


Segensspruch zur Hochzeit

Auch allen künftigen Stunden,
nicht heut dem Tag allein,
soll dieser Segensspruch
von uns geweihet sein.
Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des echten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
durch Streit und Zwietracht werde
nie euer Bund gestört.

( Johann Wolfgang von Goethe )

Klassische Gedichte zur Hochzeit

Verlobungszeit ist die schönste Zeit

Verlobungszeit ist die schönste Zeit;
Liebe wächst und Gemeinsamkeit.
Wir wünschen, dass ihr stets findet,
was immer fester Euch zusammenbindet!

(Johann Wolfgang von Goethe)

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Freudvoll und leidvoll

Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein,
langen und bangen in schwebender Pein,
himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt-
glücklich allein ist die Seele, die liebt.

(Johann Wolfgang von Goethe)

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Es ist der Liebe heil’ger Götterstrahl

Es ist der Liebe heil’ger Götterstrahl,
welcher die Seele schlägt und zündet,
wenn sich Verwandtes zu Verwandtem findet.
Da nützt kein Widerstand und keine Wahl,
es löst der Mensch nicht, was der Himmel bindet.

(Friedrich Schiller)

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Magst du zweifeln

Magst du zweifeln, dass die Sterne glühen,
magst du zweifeln, dass die Sonne sich bewegt,
magst die Wahrheit du für Lüge halten,
zweifle aber niemals an der Liebe!

(William Shakespeare)

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Selig durch die Liebe

Selig durch die Liebe
Götter- durch die Liebe
Menschen Göttern gleich!
Liebe macht den Himmel
Himmlischer- die Erde
Zu dem Himmelreich.

(Friedrich Schiller, Triumph der Liebe)

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Denn wo das Strenge mit dem Zarten

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
wo starkes sich und mildes paarten,
da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

(Friedrich Schiller,  das Lied der Glocke)

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Dass nimmer trübe Ungemach

Dass nimmer trübe Ungemach,
dass fern euch bleibe Not und Schmach,
dass ihr nie eine Träne weint,
dass stets in der Liebe ihr vereint,
dass stets ihr aller Sorgen bar,
das wünsch ich dem  verlobten Paar!

(Theodor Storm)

Humorvolles und Originelles zur Hochzeit

Braut und Bräutigam küssen sich,

andre Leute wissen´s nicht.

Braut und Bräutigam vertragen sich,

andre Leute schlagen sich.

(Volksmund)

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Viele Männer heiraten, um eine bestimmte Frau zu vergessen.

Dann laufen sie anderen Frauen nach, um die Frau zu vergessen,

die sie geheiratet haben.

(Lady Astor)

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Die Ausdrücke “Herz verschenken”, “Gunst verschenken”

sind poetische Blümchen. Kein Mädchen schenkt ihr Herz weg;

sie verkauft es entweder für Geld oder Ehre oder vertauscht es

gegen ein anderes, wobei sie Vorteil hat oder doch zu haben glaubt.

(Georg Christoph Lichtenberg)

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Ein ernstlich Verliebter ist in Gegenwart seiner Geliebten

verlegen, ungeschickt und wenig einnehmend.

(Immanuel Kant)

Gedicht zur silbernen Hochzeit

Was Irdischem gehört,

wird durch die Zeit zerstört;

was Edlem sich geweiht,

verschönt, verklärt die Zeit.

So vor fünfundzwanzig Jahren

standet ihr am Traualtar,

und der Zukunft Tage waren

euch und anderen noch nicht klar.

Aber heut im Freundeskreise

schaut ihr zurück auf eure Reise,

für das Ziel, das nicht mehr Schein,

stehen Kind und Enkel ein.

Der Lieb Melodienschatz,

er wechselt wie im Fluge,

die Ehe bleibt im gleichen Satz,

ihr wird die Zeit nur Fuge.

Franz Grillparzer


Hochzeitsgedicht

Wenn, wie ihr, zwei sich haben wirklich gern,

dann steht auch ihre Ehe unter einem guten Stern.

Wir wünschen euch jedenfalls nur Sonne

und nach jedem Wölkchen wieder Wonne!

Zeiten gibt es, da des Glücks zuviel,

und Zeiten, da es zu wenig.

Tage gibt es, da du Bettler bist,

und Stunden, in denen du König.

Cäsar Flaischlen

Hochzeitswunsch

Teures Paar, des Glückes Neid

muss euch nimmermehr versehren,

und die Macht der Sterblichkeit

schade nimmer euren Ehren.

Gebe Gott, dass übers Jahr

in der Mutter Armen lachedas,

was euch, o edles Paar,

nach dem Tode lebend mache.

Friedrich von Logau

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